CO2-Ampel mit Homematic IP: Lüften im Homeoffice und Kinderzimmer
Kurz erklärt: Der Homematic IP CO2-Sensor HmIP-SCTH230 misst CO2, Temperatur und Luftfeuchte und zeigt die Luftqualität mit fünf LEDs an. An der CCU3, RaspberryMatic oder OpenCCU erinnert ein Programm ab 1200 ppm per Push oder Kombisignalgeber ans Lüften, aber nur, wenn das Fenster geschlossen ist. Sinkt der Wert bei offenem Fenster unter 600 ppm, folgt der Hinweis zum Schließen.Stand: November 2026
Auf einen Blick
HmIP-SCTH230- Ziel
- Automatisch ans Lüften erinnern, sobald die Luft verbraucht ist, und melden, wann das Fenster wieder geschlossen werden kann.
- Benötigt
- Homematic-Zentrale (CCU3, RaspberryMatic oder OpenCCU), CO2-Sensor 230 V HmIP-SCTH230 (Einbau durch Elektrofachkraft), Fensterkontakt HmIP-SWDO-2; optional Kombisignalgeber HmIP-MP3P, CUx-Daemon und Pushover für Push · Komponenten ansehen
- Aufwand
- ca. 1 Stunde (ohne Elektroinstallation)
- Niveau
- Niveau 1 von 3: Einsteiger
- Läuft mit
- CCU3RaspberryMaticOpenCCU
Programmvorlage Diese Anleitung ist eine Programmvorlage. Programme zuerst mit unkritischen Geräten testen und erst danach im Alltag nutzen. Schwellwerte, Zeiten und Gerätenamen an die eigenen Räume anpassen.
Wichtig Der HmIP-SCTH230 ist ein 230-V-Unterputzgerät mit Relaisausgang. Einbau und Anschluss dürfen nur durch eine Elektrofachkraft erfolgen. Der Sensor ist eine Lüftungshilfe und kein Mess- oder Warngerät im medizinischen Sinn.
Inhalt dieser Anleitung
01Ziel und Idee
Im Homeoffice oder im Kinderzimmer steigt der CO2-Gehalt schneller, als man es merkt. Laut Bedienungsanleitung des Homematic IP CO2-Sensors können sich Belastungen bereits ab 1000 ppm durch Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Kopfschmerzen bemerkbar machen. In Innenräumen sollten 1500 ppm nicht überschritten werden.
Der Sensor zeigt die Luftqualität bereits selbst mit fünf LEDs an. Eine CO2-Ampel mit Homematic geht einen Schritt weiter:
- Ab 1200 ppm kommt eine Erinnerung „Bitte lüften“ – per Push oder als Ansage über den Kombisignalgeber.
- Die Erinnerung kommt nur, wenn das Fenster geschlossen ist und jemand anwesend ist, und höchstens alle 30 Minuten.
- Ist das Fenster offen und der Wert unter 600 ppm gefallen, folgt der Hinweis „Fenster schließen“. Das spart im Winter Heizenergie.
Die Grenzwerte orientieren sich an der LED-Skala aus der Bedienungsanleitung:
| LEDs | Luftqualität | CO2 |
|---|---|---|
| 1 | sehr gut | < 600 ppm |
| 2 | gut | < 900 ppm |
| 3 | mittel | < 1200 ppm |
| 4 | schlecht | < 1500 ppm |
| 5 | sehr schlecht | ≥ 1500 ppm |
02Geräte einbauen und anlernen
CO2-Sensor HmIP-SCTH230: Der Sensor sitzt im 55er-Format in einer Unterputzdose und passt in die Rahmen gängiger Schalterserien. Neben der Phase wird ein Neutralleiter benötigt. Häufig ersetzt er einen vorhandenen Lichtschalter, denn sein Relaisausgang (Wechsler, laut technischen Daten bis 1150 W ohmsche Last) kann zum Beispiel die Deckenleuchte schalten. Den Einbau übernimmt eine Elektrofachkraft.
Nach dem Einschalten der Sicherung ist der Anlernmodus für drei Minuten aktiv. In der WebUI startet man vorher unter „Geräte anlernen“ den Homematic-IP-Anlernmodus. Ein kurzer Druck auf die Systemtaste startet ihn bei Bedarf erneut. Laut Anleitung lässt sich der Sensor an die CCU2/CCU3 anlernen. Im Posteingang bekommt er einen Namen, z. B. „CO2 Arbeitszimmer“.
Fensterkontakt HmIP-SWDO-2: Er wird am Fenster des gleichen Raums montiert und ebenfalls angelernt, z. B. als „Fenster Arbeitszimmer“.
Automatischer Abgleich: Der Sensor gleicht seine Messung im Hintergrund selbst ab, standardmäßig alle 8 Tage. Damit das funktioniert, sollte man spätestens alle 8 Tage gründlich lüften. Das Intervall lässt sich in der WebUI anpassen oder abschalten.
03Systemvariablen anlegen
Unter „Einstellungen → Systemvariable“ werden diese Variablen angelegt:
| Name | Typ | Werte |
|---|---|---|
| Anwesenheit | Logikwert | wahr = „anwesend“, falsch = „abwesend“ |
| CO2_Sperre_Lueften | Logikwert | wahr = „gesperrt“, falsch = „frei“ |
| CO2_Sperre_Schliessen | Logikwert | wahr = „gesperrt“, falsch = „frei“ |
Gibt es schon eine Anwesenheitsvariable, etwa aus einer Alarmanlage oder einer „Alles aus“-Taste, wird diese verwendet. Die beiden Sperren verhindern, dass bei jedem neuen Messwert erneut eine Meldung kommt, denn der Sensor sendet seine Messwerte laufend.
Freigegeben werden die Sperren von zwei kleinen eigenen Programmen:
- Wenn: Systemvariable „CO2_Sperre_Lueften“ bei „gesperrt“ – bei Änderung auslösen; Dann: dieselbe Variable verzögert um 30 Minuten „frei“
- Wenn: Systemvariable „CO2_Sperre_Schliessen“ bei „gesperrt“ – bei Änderung auslösen; Dann: dieselbe Variable verzögert um 15 Minuten „frei“
Die Freigabe steht bewusst nicht in den Meldeprogrammen selbst. Diese werden bei jedem neuen CO2-Wert ausgelöst und laufen bei nicht erfüllter Bedingung in den Sonst-Zweig. Dabei können noch wartende verzögerte Aktivitäten des Dann-Zweigs verworfen werden, und die Sperre bliebe auf „gesperrt“ hängen.
04Programm „Bitte lüften“
Unter „Programme und Verknüpfungen → Programme & Zentralenverknüpfung“ ein neues Programm anlegen. Ausgelöst wird es durch den CO2-Wert („bei Änderung auslösen“), alle anderen Bedingungen werden nur geprüft.
- Gerätauswahl: CO2 Arbeitszimmer, CO2-Konzentration größer oder gleich 1200 ppm – bei Änderung auslösen
- UNDGerätauswahl: Fenster Arbeitszimmer bei „geschlossen“ – nur prüfen
- UNDSystemvariable „Anwesenheit“ bei „anwesend“ – nur prüfen
- UNDSystemvariable „CO2_Sperre_Lueften“ bei „frei“ – nur prüfen
- Systemvariable „CO2_Sperre_Lueften“ sofort „gesperrt“
- Kombisignalgeber: MP3-Datei 002, Lautstärke z. B. 40 %, Zeitdauer passend zur Ansage – sofort (optional)
- Skript „Push Bitte lüften“ – sofort
Für die Ansage über den Kombisignalgeber HmIP-MP3P liegen die Dateien auf dessen microSD-Karte, z. B. 002_Bitte_lueften.mp3 und 003_Fenster_schliessen.mp3. Wer keinen Kombisignalgeber nutzt, lässt diese Zeile weg und verwendet nur das Push-Skript. Für Push werden der CUx-Daemon und ein Pushover-Konto gebraucht; Telegram funktioniert analog mit einer anderen URL.
! CO2-Ampel: Push-Erinnerung "Bitte lüften"
! Voraussetzung: CUx-Daemon mit Gerät CUX2801001 (System/Exec)
! Raumname und Pushover-Zugangsdaten (XXX) anpassen
string sRaum = "Arbeitszimmer";
string sMsg = "CO2 hoch im " # sRaum # " - bitte lüften (" # system.Date("%H:%M") # " Uhr)";
dom.GetObject("CUxD.CUX2801001:1.CMD_EXEC").State("/usr/bin/curl -s -m 10 --form-string 'token=XXX' --form-string 'user=XXX' --form-string 'message=" # sMsg # "' https://api.pushover.net/1/messages.json");Das Skript baut eine kurze Nachricht mit Raumname und Uhrzeit und schickt sie über das CUxD-Exec-Gerät an die Pushover-API. Den aktuellen CO2-Wert liest es bewusst nicht aus, weil der Datenpunktname je nach Firmware abweichen kann. Wer ihn in der Nachricht haben möchte, schaut in der WebUI unter den Kanälen des Sensors nach dem passenden Datenpunkt. Wer bereits das Sende-Programm aus der Anleitung zu Push-Nachrichten mit Telegram oder Pushover nutzt, ersetzt die Push-Zeile durch dom.GetObject("PushText").State(sMsg); – dann läuft der Versand über dieses zentrale Programm.
05Anwesenheit sinnvoll erkennen
Eine Erinnerung ans Lüften ist nur sinnvoll, wenn jemand im Raum ist. Die einfachste Lösung ist eine Systemvariable „Anwesenheit“, die z. B. über eine Taste an der Haustür oder über die Fritzbox gesetzt wird. Genauer wird es mit einem Präsenzmelder im Raum: Dann kommt die Erinnerung nur, wenn tatsächlich jemand am Schreibtisch sitzt.
Im Kinderzimmer ist die Sache anders. Hier steigt der CO2-Wert vor allem nachts, wenn niemand eine Ansage hören möchte. Sinnvoll ist deshalb ein eigenes Programm mit Zeitmodul, das nachts nur eine Push-Nachricht an die Eltern schickt, und tagsüber die Ansage über den Kombisignalgeber.
06Programm „Fenster schließen“ und Diagramm
Das zweite Programm ist ähnlich aufgebaut:
- Wenn: CO2-Konzentration kleiner als 600 ppm – bei Änderung auslösen
- Und: Fenster Arbeitszimmer „offen“ – nur prüfen
- Und: Systemvariable „CO2_Sperre_Schliessen“ „frei“ – nur prüfen
- Dann: Sperre sofort „gesperrt“; Kombisignalgeber spielt
003_Fenster_schliessen.mp3(die Freigabe nach 15 Minuten übernimmt das Freigabe-Programm)
Im Winter wird der Wert schnell erreicht, im Sommer liegt die Außenluft je nach Lage nicht weit darunter. Wer möchte, ergänzt deshalb eine Bedingung über die Raumtemperatur oder ein Zeitmodul.
Werte aufzeichnen: Aktuelle WebUI-Versionen können protokollierte Kanäle als Diagramm darstellen. Dafür beim Sensorkanal die Protokollierung aktivieren und in der WebUI ein Diagramm für CO2, Temperatur und Luftfeuchte anlegen; die genauen Menüpunkte hängen von der Firmware ab. So sieht man nach ein paar Tagen, ob 1200 ppm als Schwelle passt oder ob man sie lieber auf 1000 ppm senkt.
Lüfter direkt schalten: Der Sensor hat eine konfigurierbare Schaltschwelle für seinen Relaisausgang. Damit lässt sich ohne Programm z. B. ein Lüfter ab einem bestimmten CO2-Wert einschalten. Der Anschluss ist eine 230-V-Arbeit und damit Sache der Elektrofachkraft. Die Lastangabe von 1150 W gilt laut Anleitung für ohmsche Lasten; ob ein Lüftermotor (induktive Last) direkt geschaltet werden darf, klärt die Elektrofachkraft.
Benötigte Komponenten
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07Tipps aus der Praxis
- Den Sensor nicht direkt neben die Tür, ein Fenster oder über eine Heizung setzen. Laut Anleitung sind ständige Sonnen- oder Wärmeeinstrahlung zu vermeiden.
- Im Kinderzimmer keine Ansage in der Nacht abspielen: Zeitmodul als zusätzliche Bedingung ergänzen oder nachts nur Push an die Eltern senden.
- Die Schwelle nicht zu niedrig wählen. Bei 1000 ppm kommen in einem kleinen, belegten Raum deutlich häufiger Erinnerungen.
- Spätestens alle 8 Tage gründlich lüften, damit der automatische Abgleich des Sensors richtig funktioniert.
- Die Programme zuerst ohne Kombisignalgeber testen und die Werte im Diagramm beobachten, bevor Ansagen dazukommen.
- Wer mehrere Räume überwachen möchte, kopiert das Programm und legt je Raum eigene Sperrvariablen an.
- Startet die Zentrale während einer Sperrzeit neu, kann die verzögerte Freigabe verloren gehen. Die Sperrvariablen dann unter „Status und Bedienung → Systemvariable“ von Hand auf „frei“ setzen.
08Häufige Fragen
Ab wie viel ppm sollte man lüften?
Laut Bedienungsanleitung des Homematic IP CO2-Sensors können ab etwa 1000 ppm Müdigkeit und Konzentrationsschwäche auftreten. In Innenräumen sollten 1500 ppm nicht überschritten werden. Eine Erinnerung bei 1200 ppm ist ein praxistauglicher Kompromiss und lässt sich anpassen.
Funktioniert der HmIP-SCTH230 mit der CCU3?
Ja. Laut Bedienungsanleitung lässt sich der CO2-Sensor an den Homematic IP Access Point oder an die Zentrale CCU2/CCU3 anlernen. Schaltschwelle und Abgleichintervall sind auch über die WebUI einstellbar.
Kann man den CO2-Sensor selbst anschließen?
Nein, nicht ohne Fachkenntnisse. Der HmIP-SCTH230 wird an 230 V angeschlossen und braucht Phase und Neutralleiter. Arbeiten am 230-V-Netz dürfen nur Elektrofachkräfte ausführen.
Warum zeigt der Sensor nach einiger Zeit andere Werte an?
CO2-Sensoren driften mit der Zeit. Der HmIP-SCTH230 gleicht das automatisch aus, standardmäßig alle 8 Tage. Dafür sollte in diesem Zeitraum mindestens einmal gründlich gelüftet werden.
Kann der Sensor auch einen Lüfter schalten?
Ja. Der Relaisausgang lässt sich über eine konfigurierbare CO2-Schaltschwelle steuern oder per Programm schalten. Die Lastangabe von 1150 W bezieht sich laut Anleitung auf ohmsche Lasten; bei Motoren wie Lüftern entscheidet die Elektrofachkraft, ob ein direkter Anschluss zulässig ist.
09Passende Anleitungen
Quellen und weiterführende Links (7)
- media.elv.com/file/155592_um.pdf
- homematic-ip.com/en/product/co2-sensor-230-v/technical-data
- media.elv.com/file/155592_data_eng.pdf
- media.elv.com/file/152383_um.pdf
- pushover.net/api
- amazon.de/-/en/Homematic-155592A0-Quality-Display-Smartphone/dp/B093SCKTCP
- amazon.de/Homematic-IP-Fenster-T%C3%BCrkontakt-HMIP-SWDO-2/dp/B0BLC5R77F
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